Der Jo-Jo-Effekt – warum dein Körper nicht gegen dich arbeitet
„Jetzt habe ich endlich mein Wunschgewicht erreicht. Jetzt kann ich wieder ganz normal essen.“
Für viele Frauen ist genau dieser Gedanke der schönste Moment einer langen Diät. Wochen oder sogar Monate voller Disziplin liegen hinter ihnen. Sie haben auf Lieblingsgerichte verzichtet, Kalorien gezählt, Einladungen überstanden und immer wieder den inneren Schweinehund überwunden. Endlich zeigt die Waage die Zahl, auf die sie so lange hingearbeitet haben.
Doch oft hält dieses Glücksgefühl nicht lange an.
Nach einigen Wochen zeigt die Waage plötzlich wieder etwas mehr an. Erst ein Kilo, dann zwei – und ehe man sich versieht, scheinen die mühsam verlorenen Kilos langsam zurückzukehren. Manche Frauen nehmen sogar mehr zu als vor der Diät.
In diesem Moment beginnt häufig ein harter Kampf gegen sich selbst.
„Warum schaffe ich es einfach nicht?“
„Andere bekommen das doch auch hin.“
„Mir fehlt wahrscheinlich einfach die Disziplin.“
Doch genau hier liegt das eigentliche Missverständnis.
Denn in den allermeisten Fällen arbeitet dein Körper nicht gegen dich. Er versucht vielmehr, genau das zu tun, wofür er seit Tausenden von Jahren entwickelt wurde.
Stell dir vor du lebst in der Steinzeit
Seit Wochen ist Nahrung knapp.
Die Jagd bleibt immer häufiger erfolglos, essbare Pflanzen sind kaum zu finden und jeden Tag musst du mit etwas weniger auskommen als zuvor. Niemand weiß, wann die nächste erfolgreiche Jagd stattfinden wird oder wie lange dieser Mangel noch andauert. (Dein Körper denkt, wir befinden uns in der Steinzeit)
Für deinen Körper ist die Situation eindeutig.
Er geht davon aus, dass eine längere Hungersnot begonnen hat.
Also beginnt er, vorsichtig mit seinen Energiereserven umzugehen. Jede unnötige Bewegung wird vermieden, der Energieverbrauch sinkt langsam und gleichzeitig meldet sich der Hunger immer häufiger. Nicht weil dein Körper dich ärgern möchte, sondern weil genau diese Reaktion über Tausende von Generationen das Überleben gesichert hat.
Eines Tages ändert sich die Situation.
Die Jagd ist wieder erfolgreich. Es gibt ausreichend Nahrung und zum ersten Mal seit langer Zeit kannst du wieder essen, bis du wirklich satt bist.
Doch würde dein Körper jetzt sofort davon ausgehen, dass die Hungersnot endgültig vorbei ist?
Natürlich nicht.
Aus seiner Sicht könnte schon morgen die nächste Phase des Mangels beginnen. Deshalb nutzt er jede Gelegenheit, seine Reserven wieder aufzufüllen. Nicht aus Bosheit, sondern aus Vorsicht.
Genau dieses Verhalten hat unseren Vorfahren das Überleben ermöglicht.
Genau dieses Programm läuft auch heute noch ab
Natürlich leben wir heute nicht mehr in einer Welt, in der wir jeden Tag auf Nahrungssuche gehen müssen. Supermärkte sind gut gefüllt und Lebensmittel stehen jederzeit zur Verfügung.
Unser Körper weiß das allerdings nicht.
Für ihn fühlt sich eine monatelange Diät sehr ähnlich an wie früher eine Zeit des Nahrungsmangels. Er erkennt nicht, dass du freiwillig weniger isst, um abzunehmen. Er registriert lediglich, dass über einen längeren Zeitraum deutlich weniger Energie ankommt als gewohnt.
Je länger dieser Zustand anhält, desto stärker passt sich dein Körper daran an. Er arbeitet sparsamer, verbraucht etwas weniger Energie und versucht gleichzeitig, dich dazu zu bewegen, wieder mehr zu essen. (Warum kurze Kaloriendefizite oft besser funktionieren)
Sobald die Diät endet und wieder mehr Nahrung zur Verfügung steht, trifft dieses Sparprogramm auf eine höhere Kalorienzufuhr. Genau deshalb fällt es vielen Menschen so schwer, ihr neues Gewicht dauerhaft zu halten.
Nicht weil der Körper kaputt ist.
Sondern weil er noch immer versucht, dich vor einer erneuten Hungersnot zu schützen.
Der mentale Jo-Jo-Effekt
Mindestens genauso entscheidend ist das, was während einer langen Diät im Kopf passiert.
Wer über Monate ständig verzichten muss, entwickelt häufig das Gefühl, gegen die eigenen Bedürfnisse kämpfen zu müssen. Hunger wird ignoriert, Einladungen werden zur Belastung und selbst kleine Ausnahmen lösen oft ein schlechtes Gewissen aus.
Irgendwann entsteht deshalb fast automatisch der Wunsch, endlich wieder normal essen zu dürfen.
Und genau das passiert nach dem Erreichen des Wunschgewichts auch.
Die strengen Regeln fallen weg, alte Gewohnheiten kehren zurück und der Körper, der zuvor wochenlang sparen musste, bekommt plötzlich wieder deutlich mehr Energie.
Diese Kombination macht den Jo-Jo-Effekt so wahrscheinlich.
Nicht weil es an Willenskraft fehlt.
Sondern weil Körper und Kopf nach einer langen Zeit des Verzichts gleichermaßen nach Ausgleich suchen.
Deshalb führt noch mehr Disziplin oft nicht zum Ziel
Viele reagieren auf die ersten zusätzlichen Kilos mit der nächsten Diät.
Noch weniger Kalorien.
Noch strengere Regeln.
Noch mehr Verzicht.
Doch genau dadurch beginnt derselbe Kreislauf häufig von vorn.
Deshalb verfolgen wir bei Schmidt & Frühling einen anderen Ansatz. (Wie du dein Wohlfühlgewicht erreichst)
Wir möchten den Körper gar nicht erst dauerhaft in einen Zustand versetzen, in dem er um sein Überleben kämpfen muss. Stattdessen geht es darum, den Stoffwechsel zu unterstützen, extreme Hungerphasen zu vermeiden und dem Körper immer wieder das Gefühl zu geben, dass ausreichend Energie vorhanden ist.
Denn ein Körper, der sich sicher fühlt, muss keine Reserven für schlechte Zeiten anlegen.
Die wichtigste Erkenntnis
Der Jo-Jo-Effekt ist in den meisten Fällen kein Zeichen mangelnder Disziplin.
Er ist vielmehr die natürliche Reaktion eines Körpers, der über einen längeren Zeitraum gelernt hat, mit wenig Energie auszukommen und sich auf schlechte Zeiten vorzubereiten.
Wer dauerhaft abnehmen möchte, sollte deshalb nicht härter gegen den eigenen Körper kämpfen.
Viel sinnvoller ist es, seine natürlichen Schutzmechanismen zu verstehen und mit ihnen zu arbeiten.
Denn dein Körper versucht nicht, dein Wunschgewicht zu verhindern.
Er macht genau das, was ihn über Tausende von Jahren am Leben gehalten hat.
Und genau deshalb kämpft er nicht gegen dich.
Er kämpft jeden Tag für dein Überleben.
