Wie dein Darmmikrobiom deinen Stoffwechsel beeinflusst
„Ich achte doch auf meine Kalorien. Warum fällt mir das Abnehmen trotzdem so schwer?“
Wenn Frauen uns diese Frage stellen, sprechen wir oft über Ernährung, Bewegung, Schlaf oder Stress. All das hat einen großen Einfluss auf den Stoffwechsel.
Doch es gibt noch einen weiteren Faktor, über den viele Menschen kaum nachdenken.
Er begleitet uns bei jeder einzelnen Mahlzeit.
Und obwohl wir ihn weder sehen noch spüren können, arbeitet er jeden Tag unermüdlich für uns.
Gemeint ist unser Darm – oder genauer gesagt die unzähligen Mikroorganismen, die dort leben.
Du isst nicht allein
In dem Moment, in dem der erste Bissen deinen Mund erreicht, beginnt nicht nur dein Körper zu arbeiten.
Auch Milliarden winziger Helfer werden aktiv.
Natürlich wusste damals niemand, dass es sie überhaupt gibt.
Und doch waren sie schon immer da.
Sie helfen dabei, Nahrung zu zerlegen, Ballaststoffe zu verwerten und Stoffe herzustellen, die dein Körper selbst gar nicht bilden könnte.
Mit jeder Mahlzeit versorgst du deshalb nicht nur dich selbst.
Du versorgst gleichzeitig auch die winzige Welt, die in deinem Darm lebt.
Ein eigenes kleines Ökosystem
Heute wissen wir, dass in unserem Darm rund 30 bis 40 Billionen Mikroorganismen leben.
Zusammen bilden sie das sogenannte Darmmikrobiom – ein hochkomplexes Ökosystem, das Wissenschaftler inzwischen sogar mit einem eigenen Organ vergleichen.
Diese winzigen Mitbewohner unterstützen nicht nur unsere Verdauung. Sie helfen dabei, bestimmte Vitamine zu bilden, trainieren unser Immunsystem und produzieren zahlreiche Stoffwechselprodukte, die weit über den Darm hinaus wirken.
Deshalb beschäftigen sich immer mehr Forscher mit der Frage, welchen Einfluss diese Bakterien auf unser Körpergewicht und unseren Stoffwechsel haben könnten.
Ebenfalls interessant ist, dass das Darmmikrobiom einen Einfluss auf unsere Psyche hat. Das Darmmikrobiom kann so mit dazu beitragen, dass wir uns wohlfühlen und zufrieden sind.
Warum zwei Menschen dieselbe Mahlzeit unterschiedlich verwerten können
Vielleicht kennst du jemanden, der scheinbar essen kann, was er möchte, ohne zuzunehmen.
Natürlich spielen dabei viele Faktoren eine Rolle. Bewegung, Muskelmasse, Schlaf, Hormone und die genetische Veranlagung beeinflussen unseren Stoffwechsel ebenso.
Doch auch das Darmmikrobiom könnte einen Teil dieser Unterschiede erklären.
Nicht jeder Darm ist gleich zusammengesetzt.
Manche Bakterien sind besonders gut darin, Ballaststoffe zu verwerten und daraus Stoffe herzustellen, die unserem Körper zugutekommen. Andere Zusammensetzungen scheinen dagegen weniger günstig zu sein.
Deshalb beginnt die Geschichte einer Mahlzeit nicht erst im Magen.
Sie beginnt bereits bei den Milliarden kleinen Helfern, die entscheiden, wie Nahrung weiterverarbeitet wird.
Was hat das mit der Steinzeit zu tun?
Auch unser Darmmikrobiom ist nicht plötzlich entstanden.
Über viele Tausend Jahre hat es sich gemeinsam mit uns entwickelt und sich immer wieder an die Lebensmittel angepasst, die unseren Vorfahren zur Verfügung standen.
Damals wechselten sich Zeiten mit reichlich Nahrung ganz selbstverständlich mit Phasen ab, in denen weniger gegessen wurde. Gemüse, Kräuter, Wurzeln, Nüsse oder Beeren sorgten für eine enorme Vielfalt auf dem Speiseplan – allerdings abhängig von Jahreszeit und Region. (Dein Körper denkt, wir leben noch in der Steinzeit)
Genau diese Vielfalt scheint auch heute noch eine wichtige Rolle zu spielen.
Studien deuten darauf hin, dass eine abwechslungsreiche, pflanzenreiche Ernährung die Vielfalt der Darmbakterien fördern kann. Auch zeitlich begrenzte Essenspausen, beispielsweise im Rahmen des Intervallfastens, können einen positiven Einfluss haben.
Entscheidend ist dabei jedoch immer, dass solche Essenspausen sinnvoll eingesetzt werden und nicht in dauerhaften Verzicht übergehen.
Warum manche Menschen ständig Lust auf Süßes haben
Vielleicht kennst du diese Situation.
Eigentlich möchtest du heute gesund essen.
Doch plötzlich entsteht ein fast unwiderstehlicher Appetit auf etwas Süßes.
Natürlich spielen dabei Gewohnheiten, Emotionen und unser Alltag eine wichtige Rolle.
Gleichzeitig wissen wir heute, dass Darm und Gehirn ständig miteinander kommunizieren.
Über die sogenannte Darm-Hirn-Achse tauschen sie ununterbrochen Informationen aus. Dabei entstehen Botenstoffe und Stoffwechselprodukte, die unter anderem Einfluss auf Hunger, Sättigung und unser Essverhalten haben können.
Wie groß dieser Einfluss im Alltag tatsächlich ist, wird derzeit intensiv erforscht. Fest steht jedoch schon heute, dass unser Darm weit mehr ist als ein Verdauungsorgan.
Wie kannst du dein Darmmikrobiom unterstützen
Das Faszinierende am Darmmikrobiom ist, dass es sich ständig verändert.
Mit jeder Mahlzeit beeinflussen wir ein kleines Stück, welche Bakterien besonders gute Lebensbedingungen vorfinden.
Vor allem ballaststoffreiche Lebensmittel wie Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen gelten als wichtige Nahrung für viele nützliche Darmbakterien. Auch fermentierte Lebensmittel wie Naturjoghurt, Kefir oder Sauerkraut können eine abwechslungsreiche Ernährung sinnvoll ergänzen.
Je vielfältiger unser Speiseplan ist, desto vielfältiger entwickelt sich häufig auch unser Darmmikrobiom.
Und genau diese Vielfalt gilt heute als eines der wichtigsten Merkmale einer gesunden Darmflora.
Probiere es diese Woche einmal aus
Versuche jeden Tag mindestens fünf verschiedene pflanzliche Lebensmittel zu essen.
Zum Beispiel:
- Gemüse
- Obst
- Nüsse
- Hülsenfrüchte
- Kräuter
Du musst deine Ernährung dafür nicht komplett umstellen.
Schon kleine Veränderungen können dazu beitragen, die Vielfalt deiner Darmbakterien zu fördern.
Die wichtigste Erkenntnis
Unser Darm ist weit mehr als nur der Ort, an dem Nahrung verdaut wird.
Er beherbergt ein komplexes Ökosystem, das unseren Körper täglich bei unzähligen Aufgaben unterstützt und wahrscheinlich auch unseren Stoffwechsel stärker beeinflusst, als wir lange Zeit vermutet haben.
Deshalb lohnt es sich, nicht nur darauf zu achten, wie viele Kalorien wir essen.
Sondern auch darauf, womit wir die Milliarden kleinen Helfer in unserem Darm Tag für Tag versorgen.
Denn nachhaltige Gesundheit beginnt häufig an einem Ort, den wir weder sehen noch bewusst wahrnehmen – mitten in unserem Darm.
