Wie Hormone deinen Stoffwechsel beeinflussen
„Ich esse doch schon so wenig. Warum fällt mir das Abnehmen trotzdem immer schwerer?“
Viele Frauen stellen sich genau diese Frage.
Sie achten auf ihre Ernährung, versuchen weniger zu essen und geben sich große Mühe, ihre Ziele zu erreichen. Trotzdem scheint der Körper irgendwann nicht mehr so zu reagieren wie am Anfang. Die Waage bewegt sich kaum noch, der Hunger wird stärker und das Durchhalten fällt von Woche zu Woche schwerer.
In solchen Momenten entsteht schnell der Gedanke, dass es wohl an der eigenen Disziplin liegen muss.
Doch häufig steckt etwas ganz anderes dahinter.
Unser Körper wird jeden Tag von einem hochkomplexen Hormonsystem gesteuert. Diese winzigen Botenstoffe entscheiden mit darüber, wann wir Hunger verspüren, wann wir satt sind, wie viel Energie wir verbrennen und wie unser Körper auf längere Phasen mit wenig Nahrung reagiert.
Stell dir vor, du lebst in der Steinzeit
Seit mehreren Wochen ist Nahrung nur schwer zu finden.
Die Jagd bleibt immer häufiger erfolglos und auch essbare Pflanzen werden seltener. Niemand weiß, wann die nächste erfolgreiche Mahlzeit auf dem Feuer liegen wird.
Für deinen Körper ist das eine ernst zu nehmende Situation.
Er muss nun entscheiden, wie er mit seinen Energiereserven umgeht. Soll er weiterhin genauso viel Energie verbrauchen wie bisher? Oder wäre es klüger, sparsamer zu werden, um das Überleben zu sichern?
Die Antwort liegt auf der Hand.
Natürlich versucht dein Körper, möglichst lange durchzuhalten.
Doch diese Entscheidung trifft er nicht bewusst.
Er nutzt dafür ein ausgeklügeltes System aus Hormonen, das sich über viele Tausend Jahre entwickelt hat und bis heute dafür sorgt, dass wir uns immer wieder an unsere Umwelt anpassen können.
Hormone sind die Sprache unseres Körpers
Man kann sich Hormone wie kleine Nachrichten vorstellen, die ständig zwischen Gehirn, Organen und Gewebe ausgetauscht werden.
Sie informieren darüber, ob genügend Energie vorhanden ist, ob wir uns mehr bewegen oder lieber ausruhen sollten und ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist, Energie zu verbrennen oder lieber zu sparen.
All diese Informationen laufen ununterbrochen zusammen und beeinflussen unseren Stoffwechsel – oft, ohne dass wir überhaupt etwas davon bemerken.
Genau deshalb fühlt sich eine längere Diät irgendwann ganz anders an als die ersten Wochen.
Nicht weil der Körper plötzlich gegen uns arbeitet.
Sondern weil er auf die Signale reagiert, die er erhält.
Wenn der Körper beginnt Energie zu sparen
Zu Beginn einer Diät fällt das Abnehmen vielen Menschen noch vergleichsweise leicht.
Mit der Zeit verändert sich jedoch die Situation.
Bleibt das Kaloriendefizit über Wochen oder sogar Monate bestehen, beginnt der Körper, seine Reserven sorgfältiger zu verwalten. Unter anderem sinkt häufig die Menge des aktiven Schilddrüsenhormons T3, das maßgeblich daran beteiligt ist, wie viel Energie unser Körper im Ruhezustand verbraucht.
Für viele klingt das zunächst wie ein Problem.
Aus Sicht unseres Körpers ist es jedoch eine ausgesprochen kluge Entscheidung.
Wenn weniger Nahrung zur Verfügung steht, wäre es wenig sinnvoll, weiterhin genauso viel Energie zu verbrauchen wie zuvor.
Also wird der Stoffwechsel etwas sparsamer – nicht, um uns das Abnehmen schwer zu machen, sondern um unser Überleben zu sichern. (Warum kurze Kaloriendefizite oft besser funktionieren)
Wenn der Hunger immer größer wird
Vielleicht hast du selbst schon erlebt, dass sich eine Diät am Anfang noch gut anfühlt, während sich nach einigen Wochen plötzlich vieles nur noch ums Essen dreht.
Auch dahinter steckt kein Mangel an Willenskraft.
Vielmehr verändert sich das Zusammenspiel verschiedener Hormone.
Das Hormon Leptin wird überwiegend im Fettgewebe gebildet und signalisiert unserem Gehirn, dass ausreichend Energie vorhanden ist. Sinkt das Körperfett oder essen wir über längere Zeit deutlich weniger, nimmt auch dieses Signal langsam ab.
Gleichzeitig steigt häufig die Konzentration des Hormons Ghrelin, das unser Hungergefühl verstärkt.
Mit anderen Worten:
Während einer längeren Diät verbraucht dein Körper nicht nur etwas weniger Energie.
Er versucht gleichzeitig auch, dich wieder zum Essen zu bewegen.
Genau diese Kombination macht das Durchhalten mit der Zeit so schwierig.
Hormone arbeiten niemals allein
Das Faszinierende an unserem Hormonsystem ist, dass kein Hormon für sich allein arbeitet. Alle Botenstoffe stehen miteinander in Verbindung und reagieren auf das, was in unserem Alltag passiert.
Wie gut wir schlafen, wie viel wir uns bewegen,wie ausgewogen wir essen und wie hoch unser Stresslevel ist.
Sogar unser Darmmikrobiom scheint mit diesem empfindlichen Netzwerk in engem Austausch zu stehen.
Deshalb gibt es beim Abnehmen nur selten eine einzige Ursache. Und genauso selten gibt es eine einzige Lösung.
Was bedeutet das für deinen Alltag
Niemand kann morgens aufstehen und beschließen, den eigenen Leptinspiegel zu erhöhen oder die Schilddrüse etwas schneller arbeiten zu lassen.
Was wir jedoch beeinflussen können, sind die Gewohnheiten, auf die unser Hormonsystem täglich reagiert.
Ausreichend Schlaf.
Regelmäßige Bewegung.
Eine ausgewogene Ernährung mit genügend Eiweiß, gesunden Fetten und ballaststoffreichen Lebensmitteln.
Und vor allem der Verzicht auf extreme Diäten, die den Körper immer wieder in einen Zustand des Mangels versetzen.
Jede dieser Entscheidungen sendet kleine Signale an unseren Körper.
Für sich genommen mögen sie unscheinbar wirken.
Doch gemeinsam schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass unser Stoffwechsel möglichst ausgeglichen arbeiten kann.
Die wichtigste Erkenntnis
Unser Stoffwechsel wird nicht allein durch Kalorien bestimmt.
Hormone entscheiden jeden Tag mit darüber, wie viel Energie wir verbrennen, wann wir Hunger verspüren und wie unser Körper auf eine längere Diät reagiert.
Deshalb lohnt es sich, den eigenen Körper nicht als Gegner zu betrachten, sondern seine Sprache besser zu verstehen.
Denn nachhaltiges Abnehmen beginnt nicht damit, immer weniger zu essen.
Es beginnt damit, die Signale unseres Körpers wahr zu nehmen und ihm die Bedingungen zu geben, unter denen er so arbeiten kann, wie es die Natur ursprünglich vorgesehen hat.
