Warum kurze Kaloriendefizite oft besser funktionieren

„Ich muss einfach länger durchhalten.“

Viele Frauen sind überzeugt, dass sie nur lange genug durchhalten müssen, damit die Kilos irgendwann verschwinden. Also essen sie Woche für Woche etwas weniger, verzichten auf ihre Lieblingsgerichte und hoffen, dass sich ihre Disziplin am Ende auszahlt.

Am Anfang funktioniert das häufig sogar ganz gut. Die Waage bewegt sich, die Motivation ist groß und das Ziel scheint zum Greifen nah.

Doch nach einigen Wochen verändert sich etwas.

Das Gewicht sinkt langsamer, der Hunger wird stärker und plötzlich kostet jeder Tag deutlich mehr Überwindung als noch zu Beginn der Diät.

Viele glauben dann, sie müssten einfach noch konsequenter werden.

Dabei reagiert der Körper in dieser Situation oft genau so, wie er es seit Tausenden von Jahren gelernt hat.

Stell dir vor, du lebst in der Steinzeit

Seit einigen Wochen läuft das Leben eigentlich gut. Immer wieder gelingt eine erfolgreiche Jagd, es gibt Beeren, Wurzeln und andere essbare Pflanzen. Natürlich ist nicht jeder Tag gleich, doch insgesamt steht genügend Nahrung zur Verfügung.

Eines Morgens verändert sich die Situation. Du ziehst gemeinsam mit deiner Gruppe los, doch die Jagd bleibt erfolglos. Auch auf der Suche nach Pflanzen findest du deutlich weniger als sonst. Am Abend kehrst du mit fast leeren Händen zurück. (Dein körper denkt, wir leben noch in der Steinzeit)

Am nächsten Tag sieht es ähnlich aus. Du isst deutlich weniger als gewohnt.

Was glaubst du, wie dein Körper jetzt reagiert?

Würde er sofort davon ausgehen, dass eine große Hungersnot begonnen hat, wäre das wenig sinnvoll. Schließlich brauchst du gerade jetzt deine Kraft. Nur wenn du leistungsfähig bleibst, kannst du am nächsten Tag erneut auf Nahrungssuche gehen.

Genau deshalb bleibt dein Körper zunächst erstaunlich gelassen.

Er versucht, dich leistungsfähig zu halten. Er stellt nicht sofort auf Sparflamme um, sondern vertraut darauf, dass bald wieder ausreichend Nahrung zur Verfügung steht.

Wann beginnt der Körper wirklich zu sparen

Anders sieht es aus, wenn aus einigen wenigen Tagen plötzlich viele Wochen werden.

Wenn dein Körper immer wieder dieselbe Erfahrung macht und dauerhaft weniger Energie erhält, beginnt er langsam umzudenken.

Jetzt geht er nicht mehr von einer kurzen Durststrecke aus.

Er muss damit rechnen, dass der Mangel länger anhält.

Also beginnt er, sorgfältiger mit seinen Energiereserven umzugehen. Der Energieverbrauch sinkt allmählich, viele Menschen bewegen sich unbewusst etwas weniger, frieren schneller oder fühlen sich häufiger müde. Gleichzeitig wird der Hunger immer stärker.

Aus Sicht unseres Körpers ist das eine ausgesprochen kluge Entscheidung.

Schließlich hat genau dieses Verhalten unseren Vorfahren geholfen, lange Hungerzeiten zu überstehen.

Genau das erleben viele Menschen bei einer langen Diät

Auch heute unterscheidet unser Körper nicht zwischen einer freiwilligen Diät und einer echten Hungersnot.

Er registriert lediglich, dass über einen längeren Zeitraum deutlich weniger Energie ankommt als gewohnt.

Je länger dieser Zustand anhält, desto stärker versucht er, sich daran anzupassen. Der Stoffwechsel arbeitet etwas sparsamer, das Hungergefühl nimmt zu und selbst die kleinen Bewegungen im Alltag werden häufig unbewusst weniger.

Viele Frauen erleben genau an diesem Punkt das Gefühl, plötzlich auf der Stelle zu treten.

Sie essen deutlich weniger als zuvor und trotzdem scheint sich auf der Waage kaum etwas zu verändern.

Nicht weil sie etwas falsch machen.

Sondern weil ihr Körper versucht, mit den vorhandenen Energiereserven möglichst sorgfältig umzugehen.

Warum dauerhaftes Verzichten oft zum Problem wird

Hinzu kommt, dass eine lange Diät nicht nur den Körper fordert.

Auch der Kopf beginnt irgendwann zu kämpfen.

Wer sich über Monate ständig einschränkt, entwickelt häufig das Gefühl, dauerhaft verzichten zu müssen. Ein gemeinsames Essen mit Freunden wird zur Herausforderung, jede Einladung verlangt Disziplin und selbst kleine Ausnahmen lösen schnell ein schlechtes Gewissen aus.

Mit der Zeit entsteht daraus oft ein innerer Druck, der das Durchhalten immer schwieriger macht.

Nicht weil die Motivation fehlt.

Sondern weil Körper und Psyche gleichermaßen nach einer Pause verlangen.

Deshalb setzen wir auf einen anderen Weg

Bei Schmidt & Frühling glauben wir deshalb nicht daran, den Körper möglichst lange in einem Kaloriendefizit zu halten.

Viel sinnvoller ist es, Phasen mit einem moderaten Defizit bewusst zu planen und dem Körper anschließend wieder zu zeigen, dass ausreichend Energie zur Verfügung steht.

So entsteht gar nicht erst dauerhaft das Gefühl einer anhaltenden Mangelsituation.

Der Stoffwechsel muss nicht ständig Energie sparen und viele Menschen erleben das Abnehmen dadurch deutlich entspannter als bei einer monatelangen Diät ohne Unterbrechung. (Dein Weg zum Wohlfühlgewicht)

Die wichtigste Erkenntnis

Unser Körper denkt heute noch immer wie vor Tausenden von Jahren.

Ein oder zwei Tage mit weniger Nahrung bedeuten für ihn noch keine Hungersnot.

Erst wenn aus einer kurzen Phase des Mangels viele Wochen werden, beginnt er, seine Strategie anzupassen und sparsamer mit seiner Energie umzugehen.

Deshalb geht es beim nachhaltigen Abnehmen häufig nicht darum, möglichst lange durchzuhalten.

Viel wichtiger ist es, den Körper nicht dauerhaft in einen Zustand des Mangels zu versetzen, sondern ihm immer wieder das Gefühl zu geben, dass ausreichend Energie vorhanden ist.

Das funktioniert, indem sich Phasen von Kaloriendefizit und Abnehmen mit Phasen der Stabilisierung abwechseln.

Denn ein Körper, der sich sicher fühlt, arbeitet nicht gegen dich.

Er arbeitet mit dir.